PFLOG
der Pflegeblog

Für uns Pflegende in der Psychiatrie gibt es die unterschiedlichsten Herausforderungen. Eine davon möchte ich euch heute näher bringen. Es gibt bereits einige Blogs von Menschen, welche über das Leben mit einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typ berichten. Ich schreibe von Seiten der Pflege und des Behandlungsteams. Die Erkrankung ist durch Stimmungsschwankungen, Schwarz-weiß Denken, reduzierte Impulskontrolle und selbstschädigendes Verhalten gekennzeichnet. Genau diese Symptome fordern uns als betreuende Pflegekräfte.

Anspannung

Die Betroffenen sind häufig nach einer Selbstverletzung oder nach Selbstmordäußerungen in stationärer Behandlung. In der akuten Krise werden sie auch teilweise in der geschlossenen Abteilung aufgenommen. Die Suizidalität steht am Beginn des Aufenthalts an erster Stelle. Selbstverletzungen dienen der Abwehr eines negativen inneren Gefühls (Wut, Frust, Leere..). Dieses kann in der akuten Krisensituation nicht anders geäußert werden. Aus diesem Grund ist zu diesem Zeitpunkt die Beobachtung des Patienten besonders wichtig. Gerade zu Zeiten, in denen die Stationsroutine weniger Aufmerksamkeit zulässt, wie zum Beispiel im Nachtdienst oder bei Dienstübergaben, kommt es oftmals zu einer Verschlechterung der Stimmung bis hin zur Selbstverletzung. Um diesen Selbstverletzungen vorzubeugen, werden die Patienten dazu angeleitet sogenannte "Skills" zu erlernen. Skills sollen Unterstützung bieten, die negativen Gefühle auf eine andere Weise abzubauen. Beispielsweise durch kaltes Duschen, scharfes/saures Essen, Boxen, Auflegen eines Eisbeutels, etc. Auch Gespräche mit einer Vertrauensperson können für die Betroffenen entlastend sein. 

 

Idealisierung/Abwertung

Um eine gute Beziehung aufbauen zu können, ist es wichtig klare Grenzen zu setzen, auf die eigene Psychohygiene zu achten und das Verhaltensmuster eines Menschen mit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung zu kennen. Denn obwohl Menschen mit dieser Diagnose intensive Beziehungen eingehen können, äußern sich diese durch Instabilität. Zu Beginn wird der Partner oder die Bezugsperson stark idealisiert und dann abrupt abgewertet. Es entsteht ein Wechsel von Anklammern und plötzlichen Wegstoßen. Die Betroffenen versuchen mit allen Mitteln, ein vermutetes oder tatsächliches Verlassenwerden zu vermeiden.

Dieses Verhaltensmuster zeigt sich auch in der Patient-Pflege-Beziehung! Eine Verbesserung der sozialen Kompetenzen und der Kommunikationsfähigkeit kann diesem Beziehungsverhalten entgegen wirken. In der Betreuung sollte man sich immer vor Augen halten, dass ein schneller Umschwung in die Abwertung zu erwarten ist. So kann eine mögliche Spaltung des Teams verhindert werden.


Spaltung

Die Nähe der Pflegepersonen wird häufig gesucht und eingefordert. Kann die Aufmerksamkeit in positiver Weise nicht erlangt werden, wird schließlich versucht durch ein negatives Verhalten auf sich aufmerksam zu machen. Da die Frustrationstoleranz sehr gering ist, kann bereits ein unbedacht gesagtes Wort, eine Verspätung oder eine Vertröstung die Stimmung des Patienten enorm verschlechtern. Mögliche Folgen sind dann Wutausbrüche, Selbstverletzungen oder auch die Spaltung des Behandlungsteams.

Ein Beispiel: Eine Patientin kommt zu mir: "Ich möchte ein Gespräch mit Ihnen, der Pfleger H. hat nie Zeit."  Stimmt man dann zu, kommt es zu einer Spaltung des Teams in gut und böse. Spricht man dagegen und verteidigt den Kollegen mit allen Mitteln spaltet sich das Team vom Patienten ab. 

Die betroffene Pflegekraft sollte sich hier wertneutral verhalten und ich muss euch ehrlich sagen, es ist oft gar nicht so einfach. Wichtig ist die Einigkeit des Teams. Regeln und Konsequenzen sollen vereinbart werden und es sollten sich alle daran halten. Eine Regel sollte jedoch immer sein, dass jedes Teammitglied seine eigenen Entscheidungen machen darf. Jeder sollte die Vorgehensweise des Kollegen akzeptieren, denn spaltbar wird ein Team erst, wenn es eine Konkurrenz untereinander gibt. 

 

Fazit

Ca. 10% der Betroffenen begehen Selbstmord, am häufigsten jene, die bereits in der Vergangenheit einen Suizidversuch durchgeführt haben und dieser als nicht ernsthaft angesehen wurde. Daher ist die oberste Priorität das Entgegentreten der Suizidalität, durch Beobachtung, Gespräche und Erlernen von Skills. Betroffene haben Angst vor dem Verlassenwerden und zeigen dies durch ein bestimmtes Beziehungsmuster, das durch Idealisierung und Abwertung gekennzeichnet ist. Durch klare Regeln, ein eingespieltes und einheitliches Team, und die eigene Psychohygiene kann eine mögliche Spaltung des Teams verhindert werden.