PFLOG
der Pflegeblog

- Was genau ist eigentlich ein „Drehtürpatient“ und wie geht man mit ihm um? Mit dieser Frage beschäftige ich mich im folgenden Beitrag und schildere euch meine persönlichen Erfahrungen.


Als "Drehtürpatienten" bezeichnet man jene Patienten, welche nach Entlassung, wieder und wieder in psychiatrischen Kliniken aufgenommen werden. Typisch für sie sind eine schlechte soziale Ausgangssituation, Alkohol und oder Drogenmissbrauch und eine langanhaltende psychische Erkrankung. Doch "Drehtürpatient" ist nicht gleich "Drehtürpatient". Es gibt jene, die "unfreiwillig", aufgrund von Aggressivität und/oder Selbstmordäußerungen/versuchen oder Psychosen von der Polizei und/oder der Rettung aufgegriffen werden. Dann sind da noch die hospitalisierten Patienten. Darunter versteht man, dass ein Mensch zu Hause kaum mehr zu recht kommt und viel Zeit im Krankenhaus verbringt bzw. verbringen will.

Auch ich habe bereits Erfahrungen mit "Drehtürpatienten" gemacht. Ein Patient kommt seit gut 10 Jahren monatlich, manchmal auch wöchentlich zu uns in die Abteilung. Er gehört zur Kategorie "unfreiwillig" und erfüllt alle, für einen Drehtürpatienten typischen Merkmale. Neben Obdachlosigkeit und Arbeitslosigkeit, hat er ein Alkohol, sowie Drogenproblem. Im intoxikierten Zustand wird er aggressiv und äußert Selbstmordgedanken. 10 Jahre voller Niederschläge, Wohnungsverlusten, gescheiterten Entzugs- und Entwöhnungsbehandlungen und Familienkonflikten wurde er bereits von unsere Abteilung begleitet. Doch trotz aller Bemühungen von Seiten des Behandlungsteams wird er in verschiedenen Intervallen von der Polizei aufgegriffen.
Da drängen sich Fragen auf. Findet eine unzureichende Behandlung von Seiten des Krankenhauses statt? Wie kann man diesem Menschen helfen? Kann ihm überhaupt noch geholfen werden? Inwieweit ist er selbstverantwortlich? Was bedeutet, dass für eine Abteilung?
Wie manche Studien belegen, weisen Menschen, welche sich länger in stationärer Behandlung befanden, eine geringe Wiederaufnahmerate auf, als jene, mit einer kürzeren Aufenthaltsdauer. So wurde schon mehrmals versucht, diesen Patienten über längeren Zeitraum stationär zu betreuen. Dies gelingt jedoch nur bedingt, da nach Abklingen des Rauschzustandes, der Patient nicht mehr gegen seinen Willen behandelt werden darf. Dieser Patient lässt sich nur schwer dazu motivieren freiwillig im Krankenhaus zu bleiben und geht meist nach einigen Tagen auf Revers nach "Hause". Auch Supervisionen mit allen Berufsgruppen fanden statt, um die Behandlung und Betreuung des Patienten zu optimieren.

Als besonders wichtig gilt die Nachversorgung. Diesem Patienten werden immer wieder Entzugs-und Entwöhnungshandlungen angeboten, welche der Patienten strikt ablehnt. Wohnmöglichkeiten werden von der Sozialarbeit und von externen Betreuern organisiert. Auch diese werden nur bedingt wahrgenommen. Drogen- sowie Alkoholberatungsstellen besucht er nicht. In den meisten Notschlafstellen hat er bereits "Hausverbot".

Solche "Drehtürpatienten" gehen jedoch nicht spurlos an einer Abteilung vorbei. Die Energie und Motivation, welche in die Betreuung gesteckt wird, ist oftmals vergebens. Dies wird dann als scheitern empfunden und kann im behandelten Team Frust, Hoffnungslosigkeit und Ärger auslösen. Für uns gilt, ihm, sei es wöchentlich oder monatlich, Unterstützung anzubieten und Motivationsarbeit zu leisten. Man sollte versuchen, den Patienten wertfrei zu betreuen. "Der schon wieder!" oder "Auch wieder hier?" signalisieren dem Patienten unerwünscht zu sein und behindert den weiteren Therapieverlauf. Es besteht kein Grund seinen Kittel an den Nagel zu hängen, denn fast jede Psychiatrie hat einen, oder mehrere Drehtürpatienten. Ich versuche jeden Patienten, egal ob er das erste Mal, oder das zwölfte Mal hier ist, gleich zu betreuen.