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der Pflegeblog

Letzter Ausweg Akutpsychiatrie?

Nicht wegen Gedächtnisstörungen, sondern aufgrund von Aggressionen werden Menschen mit einer Demenzerkrankung zu uns in die Akutpsychiatrie überstellt. Das Heimpersonal bittet um "Ruhigstellung", die pflegende Tochter ersucht um "medikamentöse Einstellung"... Für einen alten, verwirrten, dementen Menschen ist ein stationärer Aufenthalt in einer Akutpsychiatrie jedoch kaum von Vorteil. Neben unbekannter Umgebung und täglich anderen Leuten, ist oft die unfreiwillige Einlieferung sehr belastend und strapazierend.

Um dies möglicherweise verhindern zu können, sollte man sich fragen:

 

Warum verhält er/sie sich aggressiv?

 


Videoausschnitt aus: Foo Figthers - Run https://www.youtube.com/watch?v=ifwc5xgI3QM


Menschen mit Demenz können Schmerzen oftmals nicht mehr adäquat ausdrücken. Diese sind der häufigste Grund für aggressives oder abwehrendes Verhalten. So können auch eine Gastritis, Zahnschmerzen oder Zahnfleischentzündungen, Gründe für eine Nahrungsverweigerung sein. Neben Schmerzen, beeinflusst auch die Demenzform die Symptome. Je nach Demenztyp, leiden die Patienten an Wahnsymptomen, Halluzinationen, starker Affektlabilität, Enthemmung... Versucht man, diese Enthemmung zu bremsen, kann es zu Aggressionen kommen. Wahnsymptome können aber auch ganz einfache Gründe haben. Ist die Brille ungeeignet oder das Hörgerät defekt, sind Menschen mit Demenz nicht in der Lage Situationen richtig wahrzunehmen. 
Doch lassen sich nicht alle Verhaltensstörungen damit erklären. Oft entstehen sie aufgrund von Ängsten, Ärger oder Frustrationen auf die eigene Erkrankung oder das Verhalten des Umfelds. Demenzpatienten merken, wenn sie nicht ernst genommen werden und reagieren dann oft mit Aggressionen. 

 

Und was kann ich dagegen tun? 

 


Videoausschnitt aus: Foo Figthers - Run https://www.youtube.com/watch?v=ifwc5xgI3QM


Wurde die Ursache herausgefunden, so sollte nun versucht werden, diese zu beseitigen. Je nach Schmerz, können Schmerzmittel, warme Entspannungsbäder, das Herausnehmen der Zahnprothese,... erleichternd sein. Bei Ängsten kann eine vertrauensvolle Umgebung, Sicherheit bieten. Tritt Frust aufgrund von Orientierungslosigkeit auf, können "Wegweiser" und Schilder helfen. Aktives Zuhören, statt Bevormundungen ist eine Grundvoraussetzung für den Erhalt der Selbstbestimmung eines dementen Menschen. Bei bereits entstandener Wut, muss diese ernst genommen und angesprochen werden. Wut lässt sich aber auch durch Bewegung ab-oder umlenken. Medikamente sollten erst dann eingesetzt werden, wenn alle anderen Maßnahmen versagen. An erster Stelle steht: Empathie und Wertschätzung!

Man muss nicht hervorragende Kenntnisse der Validation beherrschen, manchmal reicht es, sich zu fragen: Was ist die Ursache?