PFLOG

der Pflegeblog

Die Mafia, der Teufel und Ich

Menschen mit Schizophrenie

 

Wenn die Mafia, welche dich verfolgt, deine Gedanken lesen und dich steuern kann, nur weil du von Gott für eine große Aufgabe berufen wurdest. Und du einer Stimme (wahrscheinlich die des Teufels) gehorchen musst, um nicht in die Hölle zu kommen. Wenn du bei der Grabrede deines Vaters, von den Ungläubigen gemustert wirst, während du lauthals "Mambo No.5"(wenn du aus den 90er stammst) singst und dabei nackt um den Sarg läufst...

...dann verschwende nicht die Zeit damit diesen Pflog zu lesen, sondern suche lieber einen Arzt auf. 

Aber, wenn du tatsächlich an einer Schizophrenie leiden würdest, dann zweifelst du wahrscheinlich nicht an deiner Psyche. Denn alles in diesem Zustand, welcher sich Psychose nennt, ist für dich real. Du würdest eher bei der Polizei um Hilfe suchen. Glauben diese dir nicht, dann weißt du Bescheid, dass sich auch die gegen dich verschworen haben. Bei der Suche nach Unterstützung gegen die Mafia, wirst du ins Krankenhaus gebracht. Du verstehst die Welt nicht mehr. Die Ärzte und Pfleger sind wahrscheinlich auch ein Teil dieses Komplotts, warum wollen sie dir ansonsten Gift verabreichen? Der Arzt will dich mit dem Stethoskop abhören. Deine Gedanken abhören? Das "Behandlungsteam", so nennen sie sich, tut als würden sie nicht verstehen, wenn du ihnen von den eindeutigen Zeichen erzählst. Sie sagen dir, dass du an einer Schizophrenie leidest. Dies würde bedeuten, dass du quasi (ich mag dieses Wort) zwei Wirklichkeiten erlebst. Die allgemeine Wirklichkeit, welche mit dem normalen Verständnis der Durchschnittsbevölkerung übereinstimmt und einer privaten Wirklichkeit. Die private Wirklichkeit bestehe aus Sinneseindrücken, welche gesunde Menschen nicht nachvollziehen können. Du müsstest dafür Medikamente nehmen, weil du eine Gabe hast, die andere nicht haben? Die Ärzte erklären dir, dass in deinem Gehirn ein Überangebot von dem Botenstoff Dopamin vorhanden ist und dies zu einer Reizüberflutung im Gehirn führe. Du hörst zwar wie dieser "Arzt" mit dir spricht, doch der Teufel sagt dir immer wieder, dass du ihm nicht trauen kannst. Die vorbeifahrenden Autos sind laut und die Uhr tickt und tickt. Der Arzt sieht dich fragend an. Du darfst ihm nicht antworten, würdest ihm aber gerne sagen, dass die Ecke seines Namensschildes abgeknickt und das Telefon fast aus seiner Tasche fällt. Das ist doch kein Telefon, bemerkst du dann, dass muss ein Abhörgerät sein. Du sagst wohl besser nichts. Die Schwester mit dem starken Lavendelparfum kommt mit einem Medikament auf dich zu. Die Uhr tickt weiter, die Stimme des Mannes, welcher sich als Arzt ausgibt wird lauter und der Teufel beschimpft dich lautstark. Verzweiflung und Angst machen sich in dir breit und du fragst dich, warum Gott dich auserwählt hat. Die Frau mit dem Gift kommt auf dich zu. Du nimmst den Stuhl und versuchst sie damit abzuwehren, dabei fällt er dir aus der Hand. Es ertönt ein lauter Ton und binnen Sekunden stehen unzählige Menschen in weißer Kleidung rundum dich. Sie halten dich fest, fixieren dich in ein Bett und verabreichen dir dieses Gift.

Wärst du an jenem Tag nicht zur Polizei gegangen und hättest dich zurückgezogen und deine Verfolgungsängste ertragen, dann wär es vielleicht nie so weit gekommen. Wenn es aber deinen Angehörigen komisch vorkommt, dass du mit dir selber sprichst, dich in deiner Wohnung verschanzt oder nackt um ein Grab tanzt, würden dich diese vielleicht auch ins Krankenhaus bringen. Aus Respekt gegenüber deiner Familie bleibst du sogar eine Nacht. Doch du bist nicht krank, würde dir der Teufel versichern und am nächsten Tag würdest du auf Revers nach Hause gehen. Die Ärzte könnten dich nicht gegen deinen Willen in der Psychiatrie halten, denn in diesem Moment bist du keine Gefahr für dich selbst oder für jemand anderen. 

Verbrennst du aber dann im Haus Gegenstände in denen sich Kameras verstecken, plagen dich Selbstmordgedanken, weil dir eine Stimme immer wieder sagt, das Leben sei besser ohne dich oder bedrohst du deine Nachbarn, weil diese immer wieder mit ihren Gedanken Dinge verschwinden lassen, dann ist eine Aufnahme in einer geschlossenen Akutpsychiatrie wahrscheinlich. 

Fakt ist, eine Behandlung ist für dich von großer Wichtigkeit, auch wenn du das in der akuten Psychose nicht erkennen kannst. Eine Schizophrenie kann bei Nicht-Behandlung zu einem schizophrenen Residuum führen, wobei die Symptome nicht vollständig abklingen. Wenn du deine Erkrankung nicht behandeln lässt, wird dein Leben weiterhin von Verfolgungsängsten, Wahnideen etc. bestehen. 


Gehörst du aber zu jenen Glücklichen, welche nicht an dieser schweren psychischen Erkrankung leiden, dann kannst du vielleicht, die Krankheit jetzt ein bisschen besser verstehen. Schizophrenie ist KEINE gespaltene Persönlichkeit, wie viele glauben. Es ist eine Reizüberflutung des Gehirns durch einen Überschuss von Dopamin. Menschen mit Schizophrenie sind nicht unberechenbar oder gefährlich. In vielen Untersuchungen konnte sogar belegt werden, dass die Rate an kriminellen Straftaten im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung allenfalls leicht erhöht ist. (Josef Bäuml) Es kann jedoch in der akuten Psychose vorkommen, dass sich Patienten, so bedroht fühlen, dass sie sich "wehren". Bei Einnahme von Medikamenten, Psychotherapie und Psychoedukation können diese Menschen ein geregeltes Leben führen, frei von Stimmen und Ängsten.